Gamebasiertes Lernen – Chance oder Risiko?

Mit Games für den Bildungsbereich habe ich mich bisher wenig auseinandergesetzt, so dass mir das Anschauen der Aufzeichnung der heutigen Veranstaltung gute erste Einblicke gegeben hat. Den Referenten, Moderator/innen und Chatteilnehmer/innen ein herzliches Dankeschön dafür!

Was nehme ich mit? Lernen durch Spielen könnte ein interessanter Ansatz sein, um „game-affine“ Lernende anzusprechen, die es vielleicht nicht so sehr mit Lehrbüchern, PowerPoints etc. haben. Die Aussagen von Herrn Deeg und Herrn Le habe ich so verstanden, dass die Lernenden möglichst gar nicht merken sollen, dass sie Inhalte vermittelt bekommen bzw. sich im Spiel erarbeiten. Das finde ich etwas eigenartig, denn Spiele, die in einer Lehr-/Lernsituation eingesetzt werden, haben natürlich immer ein Lernziel und das sollte den Lernenden auch klar sein. Ob so ein „geheimer“ Lehrplan fair ist und die Lernenden nicht spätestens beim zweiten Versuch abschreckt? Mir fehlen da die Erfahrungen.

Zweiter Punkt: Die Eigenentwicklung von geeigneten Games ist aufwändig und teuer, auf dem Markt befindliche Angebote haben oft keine gute Qualität. Also: zunächst mal eher nichts für meine konkrete Situation aber es könnte lohnend sein, die Entwicklungen im Auge zu behalten.

Dritter Punkt: Der u.a. von Sonja Gerber erwähnte aktuelle Drogenbericht der Bundesregierung, der die Zunahme von Spielsucht bei Jugendlichen konstatiert. Hier bin ich hin- und hergerissen. Das Problem ist bedeutsam, andererseits verhindert die Verbannung von Computerspielen aus dem Unterricht ja nicht das Spielen. Es könnte auch eine Chance sein einen verantwortungsvollen Umgang mit Spielen, Sozialen Netzwerken, Computer & Internet insgesamt einzuüben und zu vermitteln. Parallele: Obwohl es auch die Internetsuch gibt, ist heute nicht mehr vorstellbar, auf das Internet für Unterrichtszwecke zu verzichten, stattdessen ist der Ansatz, einen kompetenten Umgang mit dem Internet zu ermöglichen.

Insgesamt also: Chancen und Risiken sind derzeit für mich schwer abzuwägen. Eine Beobachtung der Entwicklungen scheint mir aber sinnvoll zu sein.

Voting-Systeme im (Hochschul-)Unterricht

Tablets als Voting-Systeme in grossen Vorlesungen einzusetzen, ist sicher interessant. Aber dafür alle Studis mit Tablets ausstatten, damit sie daran teilnehmen können?

Da scheint mir der Ansatz von ARSnova, der in Frawadi’s Blog beschrieben wird, eleganter: Alle Geräte sind einsetzbar, weil die Anwendung HTML 5-basiert ist.

Wie sieht es eigentlich mit der Zuordnung zu Studierenden aus? Ist das gewünscht? In den USA werden die Rückmeldungen über die clickers zum Teil auch benotet. An der Universität in Columbus, Ohio, wurde mir berichtet, dass in den Vorlesungen von den ganz „cleveren“ Lehrpersonen die ersten und die letzten Fragen besonders viele Punkte erhalten, damit die Studis nicht zu spät kommen und nicht früher gehen. (Was immer man davon halten mag). Bei ARSnova geht das ja nicht, wie ich dem Beitrag entnehme.

Andererseits: Gibt es Bedenken wegen des Datenschutzes bei den mobilen Endgeräten, mit denen Personen immerhin geortet werden können ? Auch wenn GPS oft im Zusammenhang mit Unterrichtsprojekten z.B. in Geographie positiv gesehen wird. Das ist bei den clickers kein Problem, weil nicht möglich.

Apps: Überlegungen zur Themenwoche

Mittlerweile habe ich die Aufzeichnung des Live-Events gesehen und auch einige der vorgeschlagenen Texte gelesen. Was also gibt es bisher für mich an Erkenntnissen bzw. Fragen?

1. Es gibt keine einheitliche Definition für/kein einheitliches Verständnis von mobile Learning (m-Learning).

Kernaussagen:

– es geht um mobile Endgeräte (trifft, wie im Chat so schön bemerkt,auch auf das Buch zu)

– intelligente Benutzungsoberflächen (auch das könnte noch für ein Buch gelten: Wenn Sie dies nicht interessiert, lesen Sie weiter auf                Seite…)

– Berücksichtigung von Umgebungsinformationen (GPS, unterschiedliche Lehr-/Lernumwelten)

2. Inhalte:

– Klassisch: PowPoint-Folien, Skripte, Vorlesungsmitschnitte…

–  Menüführung (ermöglicht individuelleres Lernen)

– Rückkopplung/Interaktivität

Wichtig: mobile Learning sollte didaktischen Mehrwert haben – reine Übertragung anderer Medien auf m-Learning ist nicht sinnvoll.

3. Probleme:

– Verschiedene Betriebssysteme bieten unterschiedliche Möglichkeiten; Lehrende & Lernende nutzen vermutlich eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte

– Lösungsansätze:

— Native Apps: Für ein Betriebssystem/einen Gerätetyp programmiert – mehrere App-Versionen erforderlich (Aufwand, Kosten!)

– Hybride Apps: Verbinden native und Web-Technologie

– Web App: browserbasiert, plattformunabhängig und daher nicht über die bekannten Stores vertrieben. Können logischerweise die evtl. Vorteile einzelner Möglichkeiten einiger Betriebssysteme nicht nutzen. Scheint mir dennoch bei breitem Einsatz in der Lehre das Mittel der Wahl.

– Was bringt HTML 5?

– Insgesamt: Zusätzliche Herausforderung für Lehrende und Lernende, sich mit der Technik auseinanderzusetzen und alles wie gewünscht „ans Laufen“ zu bringen (und zu halten!). War auch gut im Chat zum Live-Event zu beobachten, wo die Frage auftauchte, wie das Event mit einem mobilen Endgerät verfolgt werden könnte. Wir kennen es aber alle aus ganz gewöhnlichen Situationen, wenn z.B. Laptop und Beamer nicht miteinander wollen etc. pp.

– Handyverbote in Lehreinrichtungen: Habe vor einiger Zeit gelesen, dass Unis in den USA anfangen, Hörsäle etc. so abzuschirmen, dass Handys, Smartphones etc. dort nicht nutzbar sind. Rückmeldegeräte („Clickers“), die in der Lehre eingesetzt werden, arbeiten auf bestimmten Frequenzen, die freigegeben bleiben. Ich kann das durchaus nachvollziehen, ist doch die Verlockung groß, statt einem evtl. etwas schwierigen oder vielleicht auch mal etwas langweiligerem Vorlesungsinhalt zu folgen, lieber mal die Mails zu checken, das neueste YouTube-Video zu kucken oder mehr oder weniger seriöse Spiele auszuprobieren. Meine Frage dabei ist, wie viel Eigenverantwortung funktioniert noch? Wir handeln ja alle nicht immer rational und zu unserem Besten – warum sollten die Lernenden das tun? Richtig schwierig wird es, wenn dadurch andere Lerndende gestört werden.

3. Aktuelle Aufgaben:

– Entwicklung von Standards für Design, Implementierung, Testung.

– Sicherheitsaspekte: Welche Daten sollen zugänglich sein? Studierende und Lehrende haben in Umfragen den Zugriff auf sensible Daten (Einschreibung zu Veranstaltungen, Benotung, Abfrage des Punktestandes, Wer ist in der Nähe…) abgelehnt. Das hat auch gute Gründe. Habe gerade heute gelesen, dass Wissenschaftler relativ einfach vieles über Personen herausgefunden haben, die keinen Facebook-Account haben, aber in den Kontakten anderer Personen auftauchen. Weiterhin: Communities sind gewünscht, bergen aber auch grosse Risiken, da niemand ständig kontrollieren kann, was da evtl. an juristisch relevanten Dingen passiert – und sei es „nur“ die Verlegtzung des Urheberrechts.

– Gewünscht wurden eher administrative Inhalte: Orientierung auf dem Campus, Vorlesungsverzeichnise, Mensapläne, z.T. in Kombination mit Web 2.0-Technologien wie Communities (hier dann wieder die Sicherheitsfragen bedenken). Übrigens: Unsere Stadtwerke bieten Echtzeitabfahrtpläne der Buslinien aller Haltestellen an, die ich für uns schon mal in die Webseite eingebunden habe.

4. Ein paar offene Fragen:

– Lernen über Apps soll eine stärkere Individualisierung und zielgenaueres Lernen ermöglichen. Wird dafür nicht auch deutlich mehr Lehrpersonal benötigt? Auf Online-Fragen werden z.B. rasche Antworten erwartet – wie kann das bei steigenden Studierendenzahlen realisiert werden?

– Die technische Entwicklung, insbesondere der verschiedenen Endgeräte der schnell aufeinanderfolgenden Generationen wird immense Kosten in Bezug auf Hardware und Software sowie deren Entwicklung und Pflege verursagen – wie können diese in Zeiten sinkender Budgets aufgefangen werden? (siehe auch Libraries embracing mobile technologies)

– Ebenfalls aus dem Artikel von Zhang: Wie können Lehrende mit den immer schneller sich verändernden technischen Möglichkeiten Schritt halten? Hier sind ebenfalls Konzepte und Möglichkeiten für Fortbildungen zu entwickeln.

– Die Kosten betreffen natürlich nicht nur die Institutionen. Wie steht es mit den Lernenden? Wir gehen immer davon aus, dass die Studierenden alle ständig mobile Endgeräte der neuesten Generation mit Internetflatrate zur Verfügung haben. Ist das wirklich so? Meine Beobachtung an der Uni ist, dass es noch immer eine Gruppe von Studierenden gibt, die zu Hause nicht über eine adäquate EDV-Ausstattung verfügen, so dass sie darauf angewiesen sind, die Computer in der Uni zu nutzen. Macht es die Chanchengleichzeit erforderlich, entsprechende Endgeräte an die Lernenden auszuleihen? Sie stationär vorzuhalten – wie es heute noch mit PCs geschieht – würde die Möglichkeiten und Absichten des mobilen Lernens ja konterkarieren.

5. Rückschlüsse für meine berufliche Praxis:

– Vielzahl von Apps und deren Möglicheiten/Begrenzung macht Qualitätssicherung und Orientierung notwendig

– Die Bibliothek ist bisher schon mit der Vermittlung von Informationskompetenz (auch: Bewertung von Internetquellen bzw. von Rechercheergebnissen) befasst. Sie sollte sich nun auch anbieten, Bewertungskriterien mit zu entwickeln/bereitzustellen und evtl. geeignete Apps listen.

– Um die Qualität und Funktionalität von Apps beurteilen zu können, ist die Auseinandersetzung mit der App-Programmierung sinnvoll, ohne dass (für „meine“ Bibliothek) eigene Apps entwickelt werden sollen.

– Wegen der plattformunabhängigkeit sollten kostenfreie webbasierte Apps den Vorzug haben.

– Einstieg in die Ausleihe mobiler Endgeräte prüfen.

Libraries Embracing Mobile Technology by Yingting Zhang

Im aktuellen Guest Forum von Informed Librarian Online gibt Y. Zhang im Artikel Libraries Embracing Mobile Technology eine gute Übersicht über die Verwendung mobiler Technologien  in (US-)Bibliotheken. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang insbesondere die von ihm benannten Herausforderungen:

– Schutz der Privatsphäre der Nutzer/innen

– Einhaltung des Copyrights

– Wie sollen bei sinkenden Etats die neuen Entwicklungen umgesetzt werden?

– Wie können Wissen & Fertigkeiten der Bibliotheksmitarbeiter/innen mit dem stetigen technologischen Wandel mithalten?

Das sind aus meiner Sicht wirklich wichtige und nicht trivial zu lösende Aufgaben.