Gesture Based Computing – Faszination und Schrecken

Zunächst auch von meiner Seite aus vielen Dank für den sehr verständlichen  und spannenden Vortrag von Frau Prof. Lucke! Das Thema interessiert mich jetzt doch weit mehr, als ich es vorher vermutet hatte.

Ich kann mir große Vorteile für das Lernen vorstellen, wo „Hantieren“ tatsächlich Dinge verdeutlichen und „begreifbar“ machen kann. Das Beispiel der Moleküle in der Chemie ist sehr treffend – heute macht man das meist  mit Molekülbaukästen, aus deren Elementen die Lernenden dreidimensionale Moleküle zusammensetzen können.  Aber ich kann mir das auch im Sport, Tanz oder bei krankengymnastischen Übungen vorstellen, wo Haltungen oder Bewegungsfolgen eingeübt und ggfs. korrigiert werden könnten. Vielleicht übt Krankenpflegepersonal beispielsweise das Lagern von Patienten über gesture based computing bevor es erstmals direkt am Patienten arbeitet – der „virtuelle“ Patient könnte durchaus auch mit Lautäußerungen etwa auf zu kräftiges Anpacken reagieren…

Wichtig auch hier die von Frau Lucke angesprochene Plattformunabhängigkeit. Dies gerade auch im Hinblick auf den Trend zur Nutzung der „sowieso“ bei den Lernenden vorhandenen Endgeräte (Bring your own device).

Faszinierend und gleichzeitig ein wenig erschreckend fand ich die kurz erwähnten Möglichkeiten der Auswertung von Mimik, um beispielsweise Stimmungen zu erkennen oder die Nutzung (Auslesen/Auswerten) von Gehirnwellen zur Fahrzeugsteuerung.

Schon bei anderen Themen wie Learning Analytics und Tablet Computing stellte sich mir die Frage nach Daten- und Persönlichkeitsschutz. Das ist bei solche Szenarien natürlich noch viel gravierender. Mein Vorschlag wäre, dass Bildungseinrichtungen und -anbieter zumindest freiwillige Selbstverpflichtungen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte und Datenschutz gegenüber Lernenden und Lehrenden (auch deren Daten werden ja erfasst) abgeben. Vor allem scheint mir klärungsbedürftig, wer welche Daten bekommt, auswertet und (wo und wie lange) speichert und wem die erhobenen Daten eigentlich gehören.

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6 Kommentare zu “Gesture Based Computing – Faszination und Schrecken

  1. Danke für den Beitrag! Ein „virtuelles Kind“ hatten wir von der Charitee auf der Tagung „Gestenbasierte Anwendungen in Bildungsprozessen“ gestern in Frankfurt, demnächst wid das Vortragsvideo ins Netz gestellt… ich poste den Link dann gerne nochmals in den OPCO. Gruss Claudia Bremer

  2. PS zu der Sorge um die Mimikeekennung bei Fahren: da geht es ja nicht um die Kontrolle des Fahrers gegen seinen, ihren Willen, ich denke eher das Fahrer kauft sich das selbst als Zusatzzubehör um z.B. bei automatische eingestellter Steuerung (Tempomat) nicht einzuschlafen, es bleibt also in den Händen des Nutzers zu wählen, ob er/sie dies will.

    • Ja, das ist sicher die gute Absicht hinter der Entwicklung. Dazu muss es aber möglich sein, die Gehirnwellen – unwissenschaftlich ausgedrückt – „auszulesen und zu interpretieren“ . (Siehe auch die IBM-Prognosen: http://www.focus.de/wissen/ibm-maschinen-zum-gedankenlesen_aid_695993.html
      Ist eine Technik erst einmal in der Welt kann sie bekanntlich sowohl zu „guten“, als auch „bösen“ Zwecken eingesetzt werden. Wobei „gut“ und „böse“ von interessierten Seiten sicherlich unterschiedlich definiert wird. Man stelle sich z.B. die Strafverfolgung von Menschen vor, die von einer Seite als „Terroristen“ von der anderen als „Freiheitskämpfer“ gesehen werden – ganz aktuell etwa in Syrien.
      Deshalb halte ich insgesamt ethische Regeln für die technischen Entwicklungen und den Umgang mit personenbezogenen Daten für dringend geboten. Und dies nicht nur auf nationaler Ebene, denn die Programme, Server, Geräte werden weltweit genutzt.

      • Ja, absolut, das stimmmt sicher…. ich bin da sicherlich oft sehr optimistisch, aber natürlich braucht es den passenden Rahmen, die Rahmenregelungen.

  3. Pingback: Zwischenzusammenfassung Gesture Based Computing | OpenCourse 2012

  4. Pingback: “The moving classroom” – A short status report « Sylvia's Blog

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