Apps: Überlegungen zur Themenwoche

Mittlerweile habe ich die Aufzeichnung des Live-Events gesehen und auch einige der vorgeschlagenen Texte gelesen. Was also gibt es bisher für mich an Erkenntnissen bzw. Fragen?

1. Es gibt keine einheitliche Definition für/kein einheitliches Verständnis von mobile Learning (m-Learning).

Kernaussagen:

– es geht um mobile Endgeräte (trifft, wie im Chat so schön bemerkt,auch auf das Buch zu)

– intelligente Benutzungsoberflächen (auch das könnte noch für ein Buch gelten: Wenn Sie dies nicht interessiert, lesen Sie weiter auf                Seite…)

– Berücksichtigung von Umgebungsinformationen (GPS, unterschiedliche Lehr-/Lernumwelten)

2. Inhalte:

– Klassisch: PowPoint-Folien, Skripte, Vorlesungsmitschnitte…

–  Menüführung (ermöglicht individuelleres Lernen)

– Rückkopplung/Interaktivität

Wichtig: mobile Learning sollte didaktischen Mehrwert haben – reine Übertragung anderer Medien auf m-Learning ist nicht sinnvoll.

3. Probleme:

– Verschiedene Betriebssysteme bieten unterschiedliche Möglichkeiten; Lehrende & Lernende nutzen vermutlich eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte

– Lösungsansätze:

— Native Apps: Für ein Betriebssystem/einen Gerätetyp programmiert – mehrere App-Versionen erforderlich (Aufwand, Kosten!)

– Hybride Apps: Verbinden native und Web-Technologie

– Web App: browserbasiert, plattformunabhängig und daher nicht über die bekannten Stores vertrieben. Können logischerweise die evtl. Vorteile einzelner Möglichkeiten einiger Betriebssysteme nicht nutzen. Scheint mir dennoch bei breitem Einsatz in der Lehre das Mittel der Wahl.

– Was bringt HTML 5?

– Insgesamt: Zusätzliche Herausforderung für Lehrende und Lernende, sich mit der Technik auseinanderzusetzen und alles wie gewünscht „ans Laufen“ zu bringen (und zu halten!). War auch gut im Chat zum Live-Event zu beobachten, wo die Frage auftauchte, wie das Event mit einem mobilen Endgerät verfolgt werden könnte. Wir kennen es aber alle aus ganz gewöhnlichen Situationen, wenn z.B. Laptop und Beamer nicht miteinander wollen etc. pp.

– Handyverbote in Lehreinrichtungen: Habe vor einiger Zeit gelesen, dass Unis in den USA anfangen, Hörsäle etc. so abzuschirmen, dass Handys, Smartphones etc. dort nicht nutzbar sind. Rückmeldegeräte („Clickers“), die in der Lehre eingesetzt werden, arbeiten auf bestimmten Frequenzen, die freigegeben bleiben. Ich kann das durchaus nachvollziehen, ist doch die Verlockung groß, statt einem evtl. etwas schwierigen oder vielleicht auch mal etwas langweiligerem Vorlesungsinhalt zu folgen, lieber mal die Mails zu checken, das neueste YouTube-Video zu kucken oder mehr oder weniger seriöse Spiele auszuprobieren. Meine Frage dabei ist, wie viel Eigenverantwortung funktioniert noch? Wir handeln ja alle nicht immer rational und zu unserem Besten – warum sollten die Lernenden das tun? Richtig schwierig wird es, wenn dadurch andere Lerndende gestört werden.

3. Aktuelle Aufgaben:

– Entwicklung von Standards für Design, Implementierung, Testung.

– Sicherheitsaspekte: Welche Daten sollen zugänglich sein? Studierende und Lehrende haben in Umfragen den Zugriff auf sensible Daten (Einschreibung zu Veranstaltungen, Benotung, Abfrage des Punktestandes, Wer ist in der Nähe…) abgelehnt. Das hat auch gute Gründe. Habe gerade heute gelesen, dass Wissenschaftler relativ einfach vieles über Personen herausgefunden haben, die keinen Facebook-Account haben, aber in den Kontakten anderer Personen auftauchen. Weiterhin: Communities sind gewünscht, bergen aber auch grosse Risiken, da niemand ständig kontrollieren kann, was da evtl. an juristisch relevanten Dingen passiert – und sei es „nur“ die Verlegtzung des Urheberrechts.

– Gewünscht wurden eher administrative Inhalte: Orientierung auf dem Campus, Vorlesungsverzeichnise, Mensapläne, z.T. in Kombination mit Web 2.0-Technologien wie Communities (hier dann wieder die Sicherheitsfragen bedenken). Übrigens: Unsere Stadtwerke bieten Echtzeitabfahrtpläne der Buslinien aller Haltestellen an, die ich für uns schon mal in die Webseite eingebunden habe.

4. Ein paar offene Fragen:

– Lernen über Apps soll eine stärkere Individualisierung und zielgenaueres Lernen ermöglichen. Wird dafür nicht auch deutlich mehr Lehrpersonal benötigt? Auf Online-Fragen werden z.B. rasche Antworten erwartet – wie kann das bei steigenden Studierendenzahlen realisiert werden?

– Die technische Entwicklung, insbesondere der verschiedenen Endgeräte der schnell aufeinanderfolgenden Generationen wird immense Kosten in Bezug auf Hardware und Software sowie deren Entwicklung und Pflege verursagen – wie können diese in Zeiten sinkender Budgets aufgefangen werden? (siehe auch Libraries embracing mobile technologies)

– Ebenfalls aus dem Artikel von Zhang: Wie können Lehrende mit den immer schneller sich verändernden technischen Möglichkeiten Schritt halten? Hier sind ebenfalls Konzepte und Möglichkeiten für Fortbildungen zu entwickeln.

– Die Kosten betreffen natürlich nicht nur die Institutionen. Wie steht es mit den Lernenden? Wir gehen immer davon aus, dass die Studierenden alle ständig mobile Endgeräte der neuesten Generation mit Internetflatrate zur Verfügung haben. Ist das wirklich so? Meine Beobachtung an der Uni ist, dass es noch immer eine Gruppe von Studierenden gibt, die zu Hause nicht über eine adäquate EDV-Ausstattung verfügen, so dass sie darauf angewiesen sind, die Computer in der Uni zu nutzen. Macht es die Chanchengleichzeit erforderlich, entsprechende Endgeräte an die Lernenden auszuleihen? Sie stationär vorzuhalten – wie es heute noch mit PCs geschieht – würde die Möglichkeiten und Absichten des mobilen Lernens ja konterkarieren.

5. Rückschlüsse für meine berufliche Praxis:

– Vielzahl von Apps und deren Möglicheiten/Begrenzung macht Qualitätssicherung und Orientierung notwendig

– Die Bibliothek ist bisher schon mit der Vermittlung von Informationskompetenz (auch: Bewertung von Internetquellen bzw. von Rechercheergebnissen) befasst. Sie sollte sich nun auch anbieten, Bewertungskriterien mit zu entwickeln/bereitzustellen und evtl. geeignete Apps listen.

– Um die Qualität und Funktionalität von Apps beurteilen zu können, ist die Auseinandersetzung mit der App-Programmierung sinnvoll, ohne dass (für „meine“ Bibliothek) eigene Apps entwickelt werden sollen.

– Wegen der plattformunabhängigkeit sollten kostenfreie webbasierte Apps den Vorzug haben.

– Einstieg in die Ausleihe mobiler Endgeräte prüfen.

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MMB Learning Delphi 2011: Grösste Bedeutung für Blended Learning – wen wundert’s?

Mit großem Interesse habe ich die mir bisher nicht bekannte Trendstudie gelesen und bin nicht erstaunt darüber, dass die befragten Expertinnen und Experten dem „Blended Learning“ eine blendende Zukunft voraussagen. Wenn sie zu 92 % dieser Mischung aus traditionellem und digitalem Lernen die größte Bedeutung für zukünftiges Lernen beimessen, hat das aus meiner Sicht verschiedene gute Gründe:

  • Blended Learning ist bereits eine etablierte Form des Lehrens und Lernens. Man muss also keine Befürchtung haben, in einen nur kurzfristigen Modetrend Arbeit und Geld zu investieren. Wie die Studie richtig feststellt, gibt es diese Trends auch in der Bildung – „Second Life“, mit dem vor einigen Jahren große Erwartungen verknüpft wurden, ist ein prominentes Beispiel dafür. (Ich bin damals schlicht vor den Kosten zurückgeschreckt – weiss jemand, welche anderen Gründe es dafür gibt, dass Second Life sich nicht längerfristig durchgesetzt hat?). Wer sagt uns, dass sich nicht auch Apps oder Gaming, die jetzt mit hohen Erwartungen verbunden sind, als kurzfristige Hypes entpuppen?
  • Blended Learning vereinigt „das Beste von allem“: Ich habe in der Präsenzphase den direkten persönlichen Kontakt sowohl zwischen Lehrenden und Lernenden als auch zwischen den Lernenden selbst. Und ich persönlich glaube, dass dieser Kontakt eine andere Qualität hat, als der reine Online-Kontakt, sei es auch über Skype o.ä. Technologien. Es fehlt das „gewisse Etwas“ der persönlichen Begegnung im realen Raum. Natürlich ist es eine große Chance, online an Lehrveranstaltungen teilnehmen zu können, wie an den Live-Events von opco, ohne an Zeit und Raum gebunden zu sein. Dennoch bringt eine eingeschobene Präsenzphase immer noch eine etwas andere Qualität hinein.
  • Blended Learning ermöglicht den Einsatz und die Kombination aller nur denkbaren Lehr- und Lernformen und Methoden. Es spricht ja nichts dagegen, auch Apps, Videos, Podcasts etc. einzusetzen, und die Teilnehmer können an Präsenztagen in einer Werkstatt, im Labor, im Rollenspiel … auch ganz praktisch tätig werden. Das ist in vielen Ausbildungsbereichen unverzichtbar – es ist leicht einzusehen, dass z.B. Krankenpflege nicht aussschließlich online zu vermitteln ist.
  • Dass interne und geschlossene Systeme bevorzugt werden, ist m. E. kein Wunder, stellt das interne Wissen einer Organisation doch einen bedeutenden Wettbewerbsfaktor da. Das gilt nicht nur für Firmen sondern auch für die Forschung an Hochschulen. Das vermindert automatisch die Attraktivität solcher offenen Kanäle wie Blogs oder Twitter. Arbeitgeber haben inzwischen erkannt, dass es wichtig ist, Erfahrungswissen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sichern, bevor diese ausscheiden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fürchten allerdings, dass sie selbst sich mit der Abgabe dieser Kenntnisse und Fähigkeiten in die Wissenspeicher ihrer Arbeitgeber überflüssig machen könnten, bevor sie selbst den Arbeitgeber (etwa in die Rente) verlassen möchten.
  • Wenn es regelmäßig notwendig wird, Berufseinsteiger organisationsintern für ihre Aufgaben zu qualifizieren, ist es nur konsequent Weiterbildungspläne zu entwickeln und die Qualität der Weiterbildungsangebote bereits im Vorfeld zu evaluieren.